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Die 11 Sakramente: Abschnitt Mädchenhass
von Chris Fiedler >>
Das Mädchen mit den schwarzen Haaren hatte sich auf einen Holzstumpen niedergelassen und sah nachdenklich in die Kronen der Bäume, durch die auf wundersame Weise Lichtstrahlen zu tänzeln schien. Das Gespräch mit George hatte sie zum Grübeln gebracht, auch wenn sie davon überzeugt war, dass er einfach nur freundlich sein wollte.
›Freundlich! Zu mir?‹ Thaleena konnte es nicht fassen. Es warf sie irgendwie aus der Bahn. Sonst interessierte sich keiner aus dem Wish House für sie und das lag nicht nur daran, das sie vor sechs Jahren Mary Silverburg einen Kugelschreiber in den Hals gerammt hatte. Zuvor hatte ihr ebenfalls niemand Beachtung geschenkt. Nachdem sie das Wassergefängnis überlebt hatte und zurück ins Waisenhaus gekommen war, hatte sich nichts verändert. Die Kinder verspürten nur noch mehr Angst. Flüsterten vermehrt als vorher. Wer überlebt schon das Wassergefängnis? Sie mieden Thaleena, als wäre sie ein Monster, das man nicht töten konnte. Die Waisen wussten, dass kein anderer jemals aus dem Turm zurückkam. Sie starben in den verdreckten Zellen oder im untersten Verlies, in dem auch Leena gewesen war. Sie hatte es überlebt, irgendwie. Thaleena hatte die Hölle überstanden und Buße für ihre Tat getan. Total abgemagert war sie zurückgekehrt. Ohne eine einzige Krankheit, die sie sich hätte einfangen können.
Vögel zwitscherten und versteckten sich in den tiefen der Baumkronen, ein leises Rascheln verwies auf leichte Bewegungen im Unterholz. Den Schokoriegel hatte sie fast komplett verschlungen. Er war recht süß gewesen, deswegen hatte Thaleena ihn noch nicht ganz essen können. Wenn sie so süß waren, sind sie nicht gut. Sie biss auf |
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