writtenby.ch - Freies Texte Portal

Startseite

Texte
Kurzgeschichten
Lyrik
Romane
Experimentelles

Suchen
Texte
Autoren

Autorenbereich
Publizieren
Registrieren
Regeln

Writtenby
Datenschutz
Gönner werden
Impressum & Kontakt
 
Kurzgeschichten > Philosophie

Serenade

von Susan Ville >>

Ein Glas, gefüllt mit einer trüben Flüssigkeit stand auf der Hifi-Anlage. Es lag eine CD im Player. Draussen zirpten die Grillen durch eine offene Balkontür. Eine Stehlampe mit Stoffschirm gab Licht und entwarf einen skurillen Schatten auf einem alten Lehnstuhl. Dort saß sie und ihre linke Hand betastete behutsam ein Foto, während ihre Rechte Haarsträhnen aus dem Gesicht wischten. Wind bewegte den Lampenschirm, Schatten zitterten. Ein Griff zur Fernbedienung. Sie wollte es nur noch einmal hören. Feine Klänge durchströmten den Raum und umschlossen ihren Kopf. Sie atmete ruhig, ihre Augen waren offen, wach und zur Zimmerdecke gerichtet; Nicht auf eine rastende Fliege fixiert, sondern auf etwas dahinter, der Blick war starr und durchdrang dabei zielgenau alle Materie. Sie spürte nur das Strömen der Luft, wie es die Lungen bereicherte und dachte dabei an das Foto. Nur an die Luft. Und nur an das Foto. Sie konnte mit ihren Gedanken das Zimmer verlassen und nicht mehr zurückkehren, nicht mehr nach Hause kommen. Diese Klänge, von wilden Partiturschreibern erzeugt, wirbelten herum, zischten in ihre Ohren und verließen ihren Körper bei jedem Ausatmen durch ihren Mund. Es schien, als würde sie singen. Sie würde nicht zurueckkehren. Die Hand ruhte matt auf der Oberfläche des Bildes in ihrem Schoss, so unbewegt verklebte sich die Feuchtigkeit ihrer Haut mit dem Papier. Der Fleck an der Decke war inzwischen verschwunden und die Fliege surrte willkürlich um die künstliche Lichtquelle. Immernoch bohrte sich ihr Blick ins Nichts über ihrem Kopf, bis es still wurde. Das Atmen hörte man nicht, es war zu schwach und trug sie nicht mehr. Längst war sie nicht mehr hier. Das Foto klebte
Seite von 2
Kommentare (0)