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Ist Elsbeths Zeit vorbei?
von Marc P Sahli >>
Die Vereinzelung sieht man mittlerweile auch in der Beiz, in einem Lokal, das eigentlich ein Wohnzimmer für alle ist mit drei langen Tischen. Da sitzen drei Alkoholiker, ein jeder einzeln alleine an einem Tisch. Wenn man in die Beiz kommt, muss man sich entscheiden, zu wem man sitzen möchte. Und wenn man sich hinsetzt, muss man darauf achten, versetzt zu sitzen und mindestens einen Stuhl dazwischen freizulassen.
Den Stammtisch gibt es nicht mehr. Er hat sich verlagert vom uns zum ich. Ein jeder allein vor dem Bildschirm zu Hause. Von Facebook sagt man, es sei der digitale Stammtisch geworden. Und weil man allein zu Hause auf niemanden Rücksicht nehmen muss, radikalisiert sich auch die Sprache und das Gebaren. Die Vereinzelung führt auch dazu, dass sich niemand mehr für etwas verantwortlich fühlt.
Die digitale Vereinzelung scheint nun in die analoge Wirklichkeit durchzudrücken. Einer meiner Bekannten meint, die Vereinzelung finde bereits in der Schule statt. Früher sassen die Kinder auf einer einzigen, langen Bank, dann wurde daraus eine 2-er Bank, später zwei Einzelstühle, immerhin noch an einem Zweierpult. Und heute stünden alle Stühle irgendwo im Zimmer umher.
Es findet eine Atomisierung der Gesellschaft statt, eine wachsende Vereinzelung, meint Leslie Franke. Die Beteiligung des Einzelnen am sozialen Leben ginge rapide zurück, denn sie seien zu sehr mit ihrer eigenen Optimierung für den Arbeitsmarkt beschäftigt, was aber dazu führt, dass das soziale Bindegewebe unserer Gesellschaft zerreisse. |
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