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Kurzgeschichten > Menschen
Ein Bad, was für ein Luxus, wird in den späten Achtzigerjahren eingebaut. Der Parkettboden knackt, das Pendel der Neuenburgeruhr gibt den Sekundentakt, die Orchideen welken auf dem Fensterbrett. Schwenk zur Grossmutter und zoom out. Ausblenden zum Schwarz.

Erzählstimme
Man hat einfach vor sich hin gelebt, schöne und hässliche Momente vorbeiziehen sehen und plötzlich, niemand will das und doch ist es so, muss man Adieu sagen. Ruedi Wyss starb 2008 im Alter von 91 Jahren, im Jahr darauf mein Grossvater mit 89, wenig später Hanna Wyss-Zahnd, 90, meine zweiundneunzigjährige Grossmutter 2013, dement im Altersheim. Dass nun mein Vater, der an der Freiburgstrasse aufgewachsen ist, 2016 mit zweiundsiebzig Jahren und meine vier Jahre jüngere Mutter 2017 folgen sollten, hat niemand erwartet, auch nicht in den schlimmsten Albträumen. Das einzig Bleibende sind Erinnerungen. Fragen kann man niemanden mehr "du, wie isch das gsy?", und merkt, man wird selbst alt und zum von-früher-Erzähler. Eine Freundin schrieb für mich diese schönen Zeilen:

Wenn ich einmal zuend geatmet habe
Und dein letzter Blick auf mich fällt
Wünsch ich mir mehr als eine Träne
Irgendwann später ein Anflug eines Lächelns
Dann weiss ich, mein Leben war dir gut

Jedes Mal, wenn ich im Tram vor der Freiburgstrasse vorbeifahre, dann, ja dann, lächle ich in mich hinein und weiss, dass es gut war. Und mehr noch: ich weiss, die Geschichte des Gebäudes geht weiter und kann von Marti AG nicht einfach aus unseren Leben und dessen Erinnerungen entfernt werden.
(Der Titel wurde Rilke entlehnt)
(c) Marc P Sahli


2. März 2017
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