Kurzgeschichten > Gesellschaftskritisches |
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beherrschte, so in der zweiten dritten Klasse, erhielt man einen Füllfederhalter. Die Verlierer waren dann die Linkshänder, die die nasse Tinte immerzu verschmierten. Ich erinnere mich noch an Umerziehungen der Linkshänder.
Zunehmend mit dem Schulalter fing ich an schludrig, ungenau zu schreiben, sowieso war mein liebstes Heft das sogenannte „Allerlei-Heft“. Dieses schreibende „sich-finden“, ja Persön-lichkeitsfindung gipfelte in stundenlangem üben der eigenen Unterschrift. Je origineller die Schrift wie auch die Unterschrift, desto erwachsener fühlte ich mich. Computer hülfen da sicher nicht. In der Sekundarschule hat uns der Deutschlehrer sogar noch einige Lektionen der deutschen Kurrentschrift, Vorläu-ferin der Sütterlinschrift, unterrichtet; mich setzte er als Klassenassistenten ein, da ich sie mir schon selbst beigebracht hatte.
Ja nu, lang ist es her, die Signatur wird durch Fingerabdruck oder Iriserkennung ersetzt werden. Handschrift obsolet. Wird jemand der 250 Anschläge auf der Computertastatur erreicht, eine originellere Persönlichkeit haben, als jemand, der nur 120 Anschläge pro Minute erreicht? Wer hat dereinst die schönere Computer-Schrift? Es gibt schon Menschen, die kamen gemäss einer Umfrage die letzten 6 Monate ohne Handschrift aus!
Aber: ohne Computer, bei Stromausfall, z.B. einem grösseren Blackout wird man zukünftig nicht mehr schreiben können. Vielleicht fehlen dann in den Haushalten die Stifte und Papier, wie heute die Schreibmaschinen; wer hat noch eine? Ich habe noch eine mechanische Triumph, darauf bin ich stolz. Dann, ja dann haben Schreibstuben ein Revival; man geht zum Schreibgelehrten, wie vor zweihundert Jahren, der die ach so blöde Handschrift noch kann, entsprechende Stifte und Utensilien hat, der Briefe an Behörden schreiben |
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