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Soleure
von Cornelia Studer >>
Soleure
Bevor ich über die Brücke ging, nahm ich den Sonnen-Hut ab, damit ihn der unberechenbare Wind nicht in den Fluss wirft.
Hinter der Brücke ist ein Spielplatz, mit mehreren Brunnen und in der Nähe das Lokal Soleure. Nach dem verspielten Platz, setzte ich den Hut wieder auf, und band ihn mit meinem Foulard fest, denn ich hatte immer noch Angst, der Wind könnte den Hut wegnehmen.
Ers kurz vor dem Lokal, löste ich den Hut von seiner "seidenen Fessel", hier schien mir es Windgeschützt zu sein. Ehrlich gesagt, hatte mein Hütchen so festgebunden bescheuert ausgesehen, und vor denen, die ich treffen wollte mochte ich mich nicht blamieren.
Als ich mich auf den Heimweg machte, band ich den Kopfputz, sobald ich aus der Sichtweite der anderen war, wieder fest, sah wieder doof aus, aber ich fühlte mich sicher vor der Sonne und dem "bösen" Wind geschützt.
Ich stieg in den Schnellen statt in den regionalen Zug, der Kontrolleur aber sagte nichts, denn er sah mein Billet nicht an, ich hatte mich unter eine Gruppe Behinderter gesetzt, er dachte ihr Gemeinschaftsfahrschein gelte auch für mich, ich bin nicht sicher, ob der mich auch für behindert hielt, oder ob er dachte ich sei eine Betreuerin, immerhin, ich kam ohne aufsehen durch.
So bin ich geworden, ich verstecke mich vor der Sonne, versuche mich vor rauem Wind zu schützen, verfahre mich, und gehe manchmal zu weit.
Nun bin ich froh, dass Herbst wird, Herbst bringt mich irgendwie auf dem Boden zurück, zwar sind die Winde nun stärker, aber mein Herbsthut ist schwerer, sitzt besser, und geht nicht so schnell hoch.
26. September 2017 |
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