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Post it
von Cornelia Studer >>
Die Gegend war für ihre Prachtgärten bekannt, dieser war anders. Spetakuläre Brunnen oder grosse Gartenfiguren fehlten, es gab einen Teich, der eher aussah wie der Entwurf, denn er war winzig, und ein kleiner im Verglich zur Teichgrösse monströser Steinfrosch sass daneben. Es gab auch keinen dieser Musikpavillons, die für jenes Gebiet besonders charakterischtis sind, nur eine Bank mit einem an einen Strandkorb erinnernden Sonnendach. Die üblichen Sensationen fehlten, wenn man davon absieht, dass jeder Baum, jede Blume jedes Gras, an sich schon eine Besonderheit ist. Was durch die Schlichtheit dieses Gartens auf fast rührende Weise betont war. Ich hatte gerade auf dieser Insel der kultivieten Gärten, schon gepflegtere Anlagen gesehen, wass nicht heisst, dass der kleine Garten hier vollkommen verwildert war, er war nur einwenig wie soll ich sagen, Unkraut tollerant, es lag kein Unrat herum, aber etwas, was eigentlich sonst nicht in einem Garten zu finden ist, stand mitten im Herzen des kleinen Paradieses der Einfachheit. Da war ein Stehpult. Hier wollte ich umbedingt mal was geschrieben haben. Ich kramte also in meinem Rucksack, um mein «Beobachtungsheft» herauszukramen. Alles Beschreibbare was ich fand, war ein winziger Post-It Zettel, von dem ich nicht mal mehr wusste, wie er in den Sack gekommen war. Meinen Kugelschreiber hat ich dabei. Na gut, dieses Zettelchen wäre wohl nicht geeignet für ein umfangreiches Werk, aber ein kurzer Aphorismus hätte vielleicht darauf Platz, im Notfall könnte ich ja Abkürzungen verwenden. Ich dachte, wer hier schrieb, würde automatisch einen umwerfenden Dichterischen Wurf landen.Alles was am Schluss auf dem Zettel stand war «Was brauch ich mehr.» Ich liess den Zettel am Pult kleben, vielleicht haftet er ja noch.
20. Oktober 2017 |
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