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Es reicht
von Bozena Friedrich >>
Auf dem Mond sitze ich. Ich habe mich freiwillig hierhin begeben, um über die Welt auf der Erde nachzudenken. Ich kann sie nicht begreifen. Diese Welt kann ich nicht mehr ernst nehmen, genauer gesagt ihren Herrscher, den Menschen. Nicht wenige seiner Lebensgenossen haben kein Dach über dem Kopf, wie es heißt, sie wohnen auf der Straße. Es gibt zu wenig Wohnfläche, sie muss erweitert werden, klar, es gibt zu bauen. Was macht der sapiens Mensch? Er hat sich ja so genannt. Soll ich es sagen? Wer wird es glauben? Er wirft Blindgänger, sie treffen auf die Häuser. Türe fliegen heraus, Wände zerfallen. Das sehe ich von hier aus. "Unser Haus gibt es nicht mehr", heißt es dann kurz und knapp, nüchtern, wie ich es höre. Es gibt eine Weisheit wohl, die sagt, zerstörende Kraft gebe es halt, sie gehöre dazu, zur irdischen Wirklichkeit. So sei es, fertig, aus. Kein Wort mehr kommt, kein Gedanke erwacht, Neues kommt bald. Für heute hier Schluß, weil ich jetzt nun im Mondeslicht in meine Mitte finden muss.
9. Mai 2022 |
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